Kolumne

Bürokratie im Handwerk

Für Unternehmen in Deutschland gelten klare Regeln. Das ist gut so! Doch nicht immer erfüllen Vorgaben ihren guten Zweck, sondern verursachen vor allem Mehrarbeit. Drei Beispiele – und warum wir nicht jammern, aber kritisieren.

Gut gedacht, (noch) nicht gut gemacht

Da ist beispielsweise die Sofortmeldung für die Sozialversicherung. Bevor neue Mitarbeitende den ersten Handgriff tätigen dürfen, muss diese Meldung erfolgen. Der Hintergrund ist klar: Hier geht es darum, Schwarzarbeit einzudämmen. Denn in der Praxis kam es oft vor, dass schwarzarbeitende Menschen einfach sagen konnten, dies sei ihr erster Tag – und dann konnten die Unternehmen abends die Anmeldung für die Sozialversicherung vornehmen. Dass das verhindert werden soll, leuchtet uns ein und wir unterstützen das. Gleichzeitig stellt uns die Regelung im Arbeitsalltag vor Herausforderungen. Denn manchmal muss spontan Ersatz für kranke Mitarbeitende her, häufig in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden, denn das sind bei vielen Objekten unsere Arbeitszeiten. Außerdem ist es bei uns üblich, dass die Einstellung nicht immer in unserer Unternehmenszentrale stattfinden, sondern am Arbeitsort selbst – und dort ist es gar nicht immer so einfach, auch noch die Anmeldung vorzunehmen. Besonders ärgerlich: Durch das Fehlverhalten einiger weniger Unternehmen werden seriös arbeitende Betriebe vor große Herausforderungen gestellt.

LkSG: Nachhaltig formalisiert

Auch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ist ein sinnvolles Instrument. Es verpflichtet Unternehmen, Verantwortung entlang ihrer Wertschöpfungsketten zu übernehmen und somit Menschenrechte und Umweltschutz zu stärken. Gleichzeitig überfordert das Gesetz Unternehmen mit Kontrollmechanismen.

Denn formal richtet sich das Gesetz zwar vor allem an große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden, es hat aber auch für uns mit rund 600 Mitarbeitenden spürbare Auswirkungen. Wir sind als Dienstleister selbst Teil der Lieferketten unserer Kunden und deshalb kann es vorkommen, dass unsere Kunden uns fragen, unter welchen Bedingungen beispielsweise Reinigungsmittel hergestellt werden oder welchen Umweltstandards unsere Arbeitskleidung genügt. Die entsprechenden Nachweise, Erklärungen und Prozesse müssen wir nachhalten oder unsererseits bei den Produzenten erfragen. Denn die Arbeitskleidung wird ja wiederum aus Materialien hergestellt, die produziert oder geerntet werden.

Die Idee des Lieferkettengesetzes, alle Schritte bis zum fertigen Produkt zu durchleuchten, finden wir natürlich gut, aber die Umsetzung könnte noch besser sein. Deshalb freut es uns, dass die aktuelle Bundesregierung Handlungsbedarf erkannt hat und daran arbeitet, die Prozesse zu verschlanken und Bürokratie abzubauen.

eAU: Sand im Getriebe

Daneben läuft die Bereitstellung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) noch nicht so gut, wie sich die Politik das vorgestellt hat. Praxen übermitteln zu spät, Krankenkassen stellen Dokumente zu spät bereit – und schon wird es für uns schwierig, jederzeit alle Dokumente zusammenzuhaben, die wir brauchen.

Allen drei Beispielen (unter noch mehreren) ist gemein: Wir verstehen den Sinn nicht nur, wir unterstützen ihn! Wir klagen auch nicht an und reden von „Bürokratie-Wahn“.

Jeder gut gemeinte Bürokratiebaustein zieht Arbeit nach sich. Die muss gemacht werden. Und häufig gibt es dafür keine Kompensation, sondern es bedeutet Mehraufwand und zusätzliche Kosten. Hier wünschen wir uns einen noch stärkeren Dialog zwischen Politik und Wirtschaft, um Lösungen zu finden. Denn die Politik hat gute Ideen, wir Unternehmen kennen die Arbeitsrealität. Wie immer geht es nur gemeinsam!

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Post von Oellerking!

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